| Hinweise zur Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz)
Überblick
Die Laktoseintoleranz ist eine häufige Verdauungsstörung, die zwar nicht zu ernsten Schädigungen, aber zu manchmal erheblichen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall führen kann. Die Betroffenen werden dadurch meist über lange Zeit hinweg belästigt und beunruhigt. Die Diagnose wird oft erst spät gestellt, weil ein unmittelbarer Zusammenhang mit dem Auslöser dem unzureichend verdauten Milchzucker ohne gezielte Untersuchung schwer erkennbar ist. Durch eine milchzuckerarme Kost lassen sich die Beschwerden beheben oder auf ein erträgliches Maß vermindern.
Entstehung der Beschwerden
Bei der Laktoseintoleranz wird der durch die Nahrung aufgenommene Milchzucker (Laktose) nicht vollständig im Dünndarm gespalten und aufgenommen. Der ungespaltene Milchzucker gelangt in den Dickdarm, wo durch den osmotischen Effekt vermehrt Wasser in den Darm einströmt. Zusätzlich bauen die Darmbakterien den Milchzucker zu kurzkettigen Fettsäuren und Gasen ab. Die Gase können zusammen mit der großen Flüssigkeitsmenge Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit verursachen.
Ursachen und Vorkommen
Ursache der Laktoseintoleranz ist ein Mangel an Laktase - dem Enzym, das normalerweise die Verdauung von Milchzucker im Dünndarm bewerkstelligt. Meist wird der Laktasemangel im Laufe des Lebens erworben, In der frühen Kindheit ist die Laktaseaktivität noch normal. Zwischen dem zweiten und dem zwanzigsten Lebensjahr geht sie allmählich zurück. Zu Beginn löst das oft noch keine Beschwerden aus. Erst wenn die Laktase-Produktion stark nachläßt, zeigen sich Beschwerden. Vermutet werden u.a. Schädigungen der Dünndarmschleimhaut durch Virusinfekte sowie eine genetische Veranlagung. Experten schätzen, daß in Deutschland bis zu 15 Prozent der Bevölkerung einen Laktasemangel haben. In den Mittelmeerländern sollen es zwischen 40 und 70, in Asien und Afrika bis zu 100 Prozent sein.
Sehr selten tritt der Laktasemangel primär, d.h. als Folge eines angeborenen Enzymdefekts bereits beim Säugling auf. Als sekundär wird der Laktasemangel bezeichnet, wenn er Folge anderer Erkrankungen wie Morbus Crohn, einer Zöliakie oder vorausgegangener Magen- oder Darmoperationen ist.
Diagnosestellung
Ob wirklich Probleme mit der Laktoseverdauung hinter Beschwerden stecken, kann mit verschiedenen Verfahren nachgewiesen werden: durch den Laktosetoleranz-Test (wiederholte Bestimmung des Blutzuckerspiegels nach Gabe einer Laktoselösung), durch den Wasserstoff-Atemtest (wiederholte Bestimmung der Wasserstoffkonzentration in der Atemluft nach Gabe einer Laktoselösung) oder direkt mittels Enzymbestimmung nach Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Dünndarm.
Diätetische Grundsätze
Unter Vermeidung von Milch, Milchprodukten und anderen milchzuckerhaltigen Lebens- und Arzneimittel verschwinden die Beschwerden. Die meisten Menschen mit Laktoseintoleranz vertragen kleine Mengen Milchzucker ohne größere Probleme, so daß keine vollständig laktosefreie Kost erforderlich ist. Nur wer an einem starken oder vollständigen Laktasemangel leidet, muß komplett auf Milchprodukte und milchzuckerhaltige Lebens- und Arzneimittel verzichten. Die Ernährungsempfehlungen sind daher individuell unterschiedlich; Selbstbeobachtung und Austesten der individuellen Verträglichkeit spielen eine große Rolle.
Eine streng laktosefreie Diät, d.h. Weglassen jeglicher Milchprodukte, kommt in Konflikt mit den Empfehlungen für eine ausreichende Kalziumzufuhr. Verbessert werden kann die Kalziumversorgung durch kalziumhaltiges Mineralwasser (mindestens 150 mg Kalzium je Liter), mit Kalzium angereicherte Fruchtsäfte (bis zu 1200 mg/Liter) sowie Kalziumpräparate (aber Vorsicht: manche enthalten Milchzucker !). Haselnüsse, Sesamsamen und manche Gemüsesorten wie Brokkoli und Grünkohl sind zwar auch kalziumreich, tragen jedoch nicht entscheidend zur Kalziumversorgung bei.
Tipps zum praktischen Vorgehen
viel Laktose enthalten neben Kuhmilch auch Joghurt, Sahne, Kaffeesahne, Kondensmilch, Magerquark, Frischkäse, Schmelzkäse und Kochkäse sowie (Milch-) Schokolade Milcheis und viele andere Süßigkeiten.
Testen Sie bei Milch und Milchprodukten die individuelle Toleranzgrenze aus. Beginnen Sie immer mit kleinen Mengen, am besten über den Tag verteilt. Erfahrungsgemäß kann die Restaktivität der Laktase trainiert werden: Probieren Sie 1 - 2 kleine Milchportionen pro Tag: z.B. 1/2 Becher Joghurt oder 1-2 Eßlöffel Quark.
Enthalten Joghurt und Dickmilch viel Fett oder werden sie zusammen mit fetthaltigen Lebensmitteln gegessen, sind sie meist besser verträglich. Durch das Fett bleibt die Speise länger im Darm und die mikrobiellen Enzyme haben mehr Zeit, den Milchzucker abzubauen.
Probleme kann Laktose in Fertignahrungsmitteln bereiten, weil man sie hier zunächst oft nicht vermutet. Vorsicht ist insbesondere geboten bei Fertigprodukten wie Müsli, Kartoffelbrei, Klößen, ferner bei Ketchup, Senf, Würzmischungen, Suppen und Soßenbinder. Überprüfen Sie bei verpackten Lebensmitteln die Zutatenliste (auch die Angabe Molkepulver, Magermilchpulver oder Vollmilchpulver bedeutet, daß Milchzucker enthalten ist). Im Zweifel fragen Sie direkt beim Hersteller nach. Milchzuckerfreie Fertigprodukte sind im Reformhaus und auch in einigen Supermärkten erhältlich.
Das Gleiche gilt sinngemäß für Medikamente.
Bei unverpackten Lebensmitteln wie Backwaren, Fleisch- und Fischerzeugnissen, Feinkostsalaten und ähnlichem gibt es keine Zutatenliste. Hier müssen Sie vor dem Kauf gegebenenfalls fragen, ob Milchzucker verwendet worden ist. Vorsicht ist auf jeden Fall geboten bei hellen Brotsorten wie Weißbrot oder Toast, Brötchen, Kuchen, Keksen und Waffeln sowie bei fertigen Backmischungen.
Das dürfen Sie bedenkenlos zu sich nehmen: laktosefrei sind Sojagetränke, alle Sorten Fleisch und Fisch bei milch- und sahnefreier Zubereitung; roher oder gekochter Schinken, Braten, Kasseler, Roastbeef, Rauchfleisch, Geflügel-, Kalbfleisch- oder Gemüsesülze; alle Pflanzenöle, Margarine ohne Milchanteile; alle Getreide- und Mehlsorten, Reis, Mais, Kartoffeln; alle Sorten Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Nüsse; Brot- und Backwaren nur soweit ohne Milch, Milchpulver oder Buttermilch gebacken; Mineralwasser, Kaffe, Tee, Obst- und Gemüsesäfte.
auch gereifte Käsesorten (Hart-, Schnitt- und Weichkäse) sind praktisch frei von Laktose.
laktosefreie H-Milch ist auch in Deutschland im Lebensmittelhandel erhältlich. Der Laktose-Gehalt liegt unter der Nachweisgrenze von 0,25%. Der Milchzucker wurde enzymatisch gespalten, so daß die Milch leicht süßlich schmeckt und eine leicht bräunliche Farbe aufweist.
Laktasepräparate (z.B. Kerulac, Kerutabs, LactAid oder Lactrase) können helfen, das Enzymdefizit auszugleichen. Diese Präparate wirken nicht bei jeder Person und bei jedem Essen gleich stark. Sie entbinden nicht von der Diät, deswegen verwenden viele Betroffene diese Mittel nur für den Notfall bei zweifelhaften Lebensmitteln oder einem Restaurantbesuch.
Weitere Informationen
Selbsthilfegruppen für Milchzucker-Unverträglichkeit
Informationen zur Laktoseintoleranz vom Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB)
Deutsches Ernährungsberatungs- und -informationsnetz (Debinet) zur Laktoseintoleranz
Übersichtliche Informationsschriften werden u.a. auch angeboten vom Gesundheitsamt Bremen oder vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz .
|